AUFGESPÜRT: Umbala

Wir haben es aufgespürt, das neueste literarische Kleinod. Er heißt "Umbala", ist fünf Jahre alt, und erlebt viele Abenteuer in der afrikanischen Savane.

Die einfühlsam und spannend erzählten Abenteuer des fünfjährigen, wissbegierigen Jungen aus einem afrikanischen Dorf liegen der Redaktion vor. Wir veröffentlichen hier erstmals einen Auszug aus dem Manuskript und wünschen dem talentierten Autoren sehr bald einen Verlag, der der jungen Leserschaft die Welt des kleinen sympathischen Afrikaners in Druckform nahebringt.

Eine Geschichte mit Suchtcharakter. Wir riskieren's! Lesen Sie los. Und zwar ohne bunte Bildchen wie sonst im Netz. Hier heißt es: Lesen um des Textes willen. Und der ist wirklich zauberhaft.


Umbala

Meine Lieben. Kennt ihr Afrika? Wisst ihr, wo die Giraffen leben? Habt ihr schon mal etwas vom Äquator gehört? So viele Fragen! Mein Büchlein fängt ja gut an. Aber fragt doch mal den Papa oder die Mama oder besser noch den Opa, der ist bestimmt viel gereist. Wenn ihr Umbala, den kleinen fünfjährigen Jungen aus unserer Geschichte, mal besuchen wollt, müsst ihr das schon wissen. Denn Umbala lebt in Afrika. Gleich hinterm Äquator links, dort liegt sein Dorf.

Ihr werdet bald merken, dass er euch sehr ähnlich ist. Er ist fröhlich, manchmal hat er Angst und macht sich Gedanken. Vor allem aber spielt er sehr, sehr gern. Aber Umbala kann noch etwas ganz Besonderes – er kann die Tiere verstehen und mit ihnen reden!

Also, los geht’s. Nehmt euer Kuscheltier in den Arm, macht es euch gemütlich und lasst euch die Abenteuer von Umbala erzählen.

Ach ja, noch eins! Wenn die große afrikanische Sonne untergeht, es also Nacht wird und die wilden Löwen brüllen, dann müsst ihr schlafen gehen. Umbala geht dann auch in sein Bettchen und träumt von seinen Freunden, den Tieren.

I. Kapitel

Es war ein warmer Tag. Die Sonne strahlte hell an diesem Morgen. Umbala blinzelte ins Licht, als er erwachte. Er streckte und rekelte sich zufrieden, er hatte wieder gut geträumt.. Es waren Träume von Tieren, die lieb waren und die man streicheln konnte. Er döste vor sich hin. „Umbala, aufwachen, das Frühstück ist fertig!“ Der Ruf seiner Mama holte ihn aus seinen Gedanken. „Ich komme gleich, Mama, nur noch eine Minute.“ Der Duft von Maisbrei und warmer Milch streichelte seine Nase. Da wurde er richtig wach, sprang aus dem Bett und rannte in die Küche, wo schon die ganze Familie auf ihn wartete.

„Na, na, nicht so schnell, mein Sohn“, sagte sein Vater, „geh’ erst mal raus zum Waschen. Und reib dir schön den Sand aus den Augen, den Fadhila dir gestern Abend übers Gesicht gestreut hat.“ Fadhila, müsst ihr wissen, ist die Sandfrau in Afrika – wie bei uns das Sandmännchen. Aber Umbala glaubte schon lange nicht mehr an Fadhila, „sind ja nur Märchen der Erwachsenen“, sagte er. Umbala war schon fünfeinhalb Jahre alt, und da glaubt man nicht mehr an Märchen. Oder doch nur zur Hälfte.

Umbala rannte zum Brunnen des Dorfes, wusch sein Gesicht, seine Hände und seine Füße. Schnell war er wieder in seiner Hütte und setzte sich zu den anderen um zu frühstücken. Es gab wie jeden Morgen Maisbrei mit Ananas und Ziegenmilch. Umbala hatte heute großen Hunger, er aß zwei Portionen Maisbrei und trank drei Becher Milch. „Nun mal langsam, Umbala, sagte seine Mutter, die anderen wollen auch noch was essen.“ Umbala war schon über einen Meter groß und er wollte so groß werden, wie der Medizinmann im Dorf. Der war über zwei Meter groß und war Umbalas Freund. Sei Name war Wallah.

Umbala saß fast jeden Tag vor Wallahs Hütte und schaute ihm zu, wie er Kräuter in einer Schale zerstampfte. Sein Freund Wallah hatte schon vielen Leuten im Dorf geholfen gesund zu werden – auch seinem Vater. Umbalas Vater hatte mal ganz schlimme Bauchschmerzen. Er musste drei Tage lang einen Kräutersaft trinken, dann ging es ihm wieder gut.

Wallah war lange in der Savanne, dort hatte er die Kräuter und Wurzeln gefunden, die seinem Vater geholfen haben. Die Savanne, müsst ihr wissen, ist wie eine große Wiese mit sehr hohem Gras und wenigen Bäumen. Umbala durfte mit Wallah in die Savanne gehen, um Kräuter zu suchen. Manchmal hörten sie die Löwen brüllen, die in der Savanne leben. Umbala hatte keine Angst, denn Wallah war bei ihm.

Wallah hatte immer einen Speer bei sich, mit scharfer Spitze. Und Wallah weiß auch, wann die Löwen angreifen. Dann bleibt auch er lieber im Dorf. Er achtet die Läwen und auch die anderen wilden Tiere, denn die Savanne ist ja ihr Zuhause.

Nach dem Frühstück wollte Umbala spielen gehen. „Bleib im Dorf Umbala“, rief ihm seine Mutter nach, „und gehe nicht an den großen Fluss, du kannst nicht schwimmen.“ „Ja, Mama“, sagte Umbala und trat ins Freie. Im Dorf war es ruhig, zu ruhig, fand Umbala. Die älteren Kinder waren schon in der Schule. Sie wurden jeden Morgen um 8 Uhr vom Schulbus abgeholt. Der Schulbus war ein alter Lastwagen mit Bänken drauf und einem Stück Stoff darüber, gegen die Sonnenstrahlen.

Die Männer aus dem Dorf, natürlich nicht die Alten, wurden auch von einem Lastwagen abgeholt. Der bringt sie in die Diamantenmine. Die Diamantenmine ist ein großer Berg, in dem die Arbeiter nach schönen Steinen suchen. Umbalas Vater arbeitet auch im Berg. Er ist dort der Chef von 20 Arbeitern, auf die musser aufpassen.

Umbalas Dorf ist nicht sehr groß. Es hat fünfzehn Wohnhütten, einen Brunnen und eine große Gemeinschaftshütte. Dort trifft man sich zu allen möglichen Anlässen. Geburtstagsfeiern Taufen, Hochzeiten oder wichtige Gespräche der Dorfältesten.Die Gemeinschaftshütte war fast jeden Tag gut besucht.

Umbala langweilte sich heute. Was sollte er bloß machen? Als er durchs Dorf schlenderte, kam er an Wallahs Hütte vorbei. Der Medizinmann saß davor und stampfte Kräuter. Er „mixte Rezepte“, wie er immer sagte. „Guten Morgen, Umbala“, rief er ihm zu, „hast du heute keine Lust zu spielen? Wo sind dein Ball und dein Stock?“ „Guten Morgen, Wallah“, antwortete Umbala, „heute habe ich keine Lust aufs Ballspielen, ich würde viel lieber zum Fluss laufen und Steine reinwerfen.“ Ihr müsst wissen, Umbala spielte sonst sehr gerne mit seinem Ball und seinem Stock. Er baut sich ein Tor aus zwei großen Steinen, dann versucht er, den Ball mit dem Stock ins Tor zu schießen. Das staubt dann ganz schön. Manche Dorfbewohner haben sich schon bei seiner Mutter beschwert.

Aber die hat nur gelacht und sagte dann immer: „Wenn der Wind weht und pustet, dann staubt es auch.“ Umbala war der Beste im Ball-Stock-Schießen. Aus zehn Metern – das sind zehn Schritte eines Erwachsenen oder zwanzig Schritte von Umbala, trifft er fast immer sein Tor.

Wallah schaute Umbala streng an: „Du weißt genau, wie gefährlich der große Fluss ist, das habe ich dir schon Tausend Mal gesagt, deine Mutter bestimmt auch.“ Umbala schaute zu Wallah hoch: „Können wir nicht Kräuter sammeln, Wallah, nur wir beide?“ „Hab keine Zeit Umbala, muss noch viele Rezepte mixen. Frau Muta, eure Nachbarin, hat Kopfschmerzen, der Bürgermeister, Herr Achat, hat soch einen Dorn in den Fuß getreten, und Wumm, der Großvater von deinem Freund Echamatuto kann nicht auf die Toilette, er hat heftige Bauchschmerzen.“ Du siehst also, ich habe viel zu tun.“

„Kann ich dir dabei helfen, Wallah?“ „Nein, Umbala, vielleicht später einmal, wenn du groß bist. Später, wenn du ein großer Mann bist, erkläre ich dir alles.“ Umbala wollte auch Medizinmann werden. Er ist sich noch nicht sicher, Medizinmann oder Wildhüter. Denn Umbala liebte alle Tiere, auch die gefährlichen Löwen und schnellen Geparden. Aber auch die Flusspferde, Okapi und Giraffen. Und er wusste, dass die Wildhüter auf alle Pferde aufpassen. Er wusste auch, dass es Wilddiebe gab, die mit ihren Gewehren die Tiere tot schossen und dann verkauften. Aber die Wildhüter hatten schnelle Geländewagen und Ferngläser, mit denen sie alles sehen konnten. Wenn sie einen Wilddieb fasste, kam der gleich für lange Zeit ins Gefängnis.

Umbala stand noch immer vor Wallahs Hütte, und Wallah merkte, dass sich Umbala langweilte. „Geh doch zu deinem Lieblingsbaum, Umbala, und beobachte die Tiere,“ sagte Wallah, „heute sind die Löwen nicht gefährlich, die liegen in der Sonne und haben sich satt gefressen.“

Umbala zuckte mit den Schultern: „Auf Wiedersehen, Wallah, bis morgen“, rief er und ging weiter. Heute war ein schöner Tag, es wehte ein leichter Wind vom Fluss herauf. Umbala hatte keine Lust auf seinen Baum zu steigen, um die Tiere zu beobachten. Er hatte auch keine Lust, in den Urwald zu laufen, um Früchte zu sammeln oder Affen zu beobachten.

Heute hatte er so richtig Lust, am Fluss entlang zu laufen. Er war schon häufig mit seinem Vater dort gewesen. Sie haben dann zusammen Steine ins Wasser geworfen. Es sah so schön aus, wenn der Stein ins Wasser plumste und die vielen glitzernden Kreise immer größer wurden. Äste hineinwerfen war auch schön, die trieben dann durch die Strömung immer weiter, bis ins große Meer.

Umbala war am Ende des Dorfes angekommen. Ach was, dachte er, ich geh jetzt zum großen Fluss. Nur ganz kurz, vielleicht sehe ich sogar ein Flusspferd. Danach laufe ich schnell nach Hause, und keiner hat etwas gemerkt. Zum Fluss war es nicht mehr sehr weit. Umbala sah schon die Sträucher und kleinen Bäume, die am Ufer des Flusses standen. Unterwegs sammelt er große und kleine Steine, schlüpfte schließlich durch zwei Sträucher und stand endlich am Fluss. Die Strömung war heute nicht sehr stark. Umbala warf einen Ast ins Wasser und sah ihm lange nach. Er setzte sich auf einen Felsen, der zur Hälfte im Wasser lag, ließ seine Füße ins Wasser baumeln und warf seine Steine in den Fluss. Es platschte und spritzte, dass Umbala vor Freude lachte. Bald hatte er keine mehr. Umbala stand auf, um sich neue Steine zu suchen. Der Felsen, auf dem er stand, war glitschig und nass. Umbala merkte, dass er ins rutschen kam, er streckte die Arme aus, konnte sich aber nicht mehr halten. Und plumps – da landete er im Wasser. Die Strömung des Flusses trieb ihn gleich in seine Mitte.

„Hilfe, hilfe“, schrie Umbala verzweifelt, „ich kann nicht schwimmen!“ Umbala strampelte mit Händen und Füßen, um sich an der Oberfläche zu halten. Er hatte schon Wasser geschluckt und ihm wurde ganz seltsam zu Mute. Nun muss ich ertrinken, dachte er. Doch plötzlich war kein Wasser mehr unter ihm, er lag auf einer kleinen glitschigen Insel. Umbala strampelte immer noch und rief um Hilfe.

„Nun mal ganz ruhig, mein Kleiner“, sagte eine tiefe Stimme, „halte dich schön fest – am besten an meinen Ohren. Ich bring dich ans Ufer.“ Umbala schaute sich um, und tatsächlich sah er vor sich zwei glitschige spitze Ohren, und davor zwei riesige Glupschaugen. „Ach herrje“, flüsterte Umbala, ich bin auf einem Flusspferd.“ „Du brauchst gar nicht zu flüstern, Kleiner. Ich versteh dich sehr gut“, antwortete die rutschige Rettungsinsel, „also los, halte dich fest, ich bring dich ans Ufer.“