Peter Hammer Verlag

Nach wir vor klein und konzernunabhängig feierte der Peter Hammer Verlag 2006 sein 40jähriges Bestehen. Peter Hammer war nicht zugegen: Es hat ihn nie gegeben in der Geschichte des Verlages. Peter Hammer ist die wörtliche Übersetzung von „Pierre Marteau“. Dies war ein Deckname, den die Urheber oppositioneller, verbotener (bisweilen auch anrüchiger) Schriften seit dem 17. Jahrhundert benutzten, um sich der Zensur durch die Obrigkeit zu entziehen. Es war das Subversive an diesem Namen, das den Gründern des Verlages 1966 so gefallen hat. Kritische (links-)politische Bücher und Literatur jenseits des mainstream sollten das Programm des neu gegründeten Verlages in Wuppertal prägen.

Zu diesen Gründern gehörte Johannes Rau, er wurde der erste Leiter des Peter Hammer Verlages. Als Rau nur ein Jahr später Fraktionsvorsitzender der SPD im Landtag wurde, übergab er die Verlagsleitung an den jungen Hermann Schulz.

Hermann Schulz führte den Verlag dann 35 Jahre lang. Er bereiste immer wieder die südlichen Kontinente, veröffentlichte die engagierte Literatur nicaraguanischer Revolutionäre in Deutschland, verlegte die Bücher unbekannter afrikanischer Autoren und schärfte ein Profil, das nach wie vor Bestand hat: Der Peter Hammer Verlag steht bis heute für Literatur aus Afrika und Lateinamerika. Hier findet man große Namen wie Ernesto Cardenal, Eduardo Galeano, Gioconda Belli, Sergio Ramirez, Aniceti Kitereza, Hampâté Bâ, Chinua Achebe und Ahmadou Kourouma. Flankiert wird die Belletristik von ethnologischen und politischen Sachbüchern zu Themen der südlichen Kontinente.
Eine der wichtigsten Begegnungen fand aber in Wuppertal selbst statt. Hier nämlich lebt Wolf Erlbruch, der Werner Holzwarths Geschichte „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ illustrierte. Der kleine Maulwurf ist nicht nur unser nimmermüder

Bestseller geworden, der in 27 Sprachen übersetzt wurde, er war auch der Startschuss für ein Bilder- und Kinderbuchprogramm, das demselben emanzipatorischen Anspruch verpflichtet ist: Hier werden Kinder ernst genommen, es werden ihnen ungewohnte Perspektiven und Sympathie für schräge Typen zugetraut. Allzu Niedliches und Kindertümelndes hat hier keinen Platz. Wolf Erlbruch, inzwischen als international renommierter Illustrator mit allen wichtigen Preisen ausgezeichnet, hat Maßstäbe gesetzt und besonders begabte junge Künstler verlockt, mit dem Peter Hammer Verlag zusammenzuarbeiten, unter ihnen Nadia Budde, Eva Muggenthaler, Wiebke Oeser und viele mehr. Sie alle wurden bald von der Kritik als bemerkenswerte Talente gefeiert und garantieren vor allem dies: echte Überraschungen und Spaß, der Altersgrenzen sprengt.

Seit 2001 leitet Monika Bilstein den Peter Hammer Verlag. Nach über einem Jahrzehnt als Prokuristin und stellvertretende Geschäftsführerin wusste niemand so genau wie sie, was dazu gehört, einen kleinen Verlag durch die Fährnisse des Buchmarktes zu manövrieren.

Das Team besteht heute aus vier festangestellten Mitarbeiterinnen, die sich um Programm, Lizenzen, Vertrieb, Presse, Werbung, Sekretariat und Finanzen kümmern. Daneben gibt es freie Mitarbeiterinnen im Lektorat für Kinderbuch und Afrikaliteratur, sowie eine freie Mitarbeiterin, die die Herstellung betreut und natürlich einen Stab engagierter Vertreter, die mit den neuen Büchern durch die deutschsprachigen Buchhandlungen reisen.

Prognosen über die Zukunft abzugeben, scheint in diesen Zeiten zu kühn; eines allerdings bleibt ganz und gar unverzichtbar: unsere Unabhängigkeit. Auch in seinem fünften Jahrzehnt will der Verlag – klein und frei - mit derselben Begeisterung und Sorgfalt Literatur aus und über Afrika und Lateinamerika und besondere Bücher für Kinder machen.

Im Netz:
http://www.peter-hammer-verlag.de/